„Intimacy“

an anderen Tagen

2015

 
 
 
 
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„…Ein wallender Morgenmantel verdeckte die Sicht auf die nackte Haut.
Ein Diener betupfte den Nachtschweiss des Herrschers mit
parfümierten Tüchern, ein zweiterentfernte die Schlafmütze, während ein
dritter Ihrer Majestät eine gekürzte Perücke aufsetzte…. Ihre Majestät
wirkte gelassen, von einer eindrücklichen seelischen Ausgeglichenheit.
…Und selbst wenn Ihre Majestät auf der Chaise d´affaire sass, verlor sie
nicht an Würde. Ihre Majestät ertrug mitstoischer Ruhe die Mühsal seines
trägen Darmes, wechselte ein paar Worte mit den anwesenden Prinzen,
Herzogen und Grafen aus den Geschlechtern der Rochefoucauld,
Bourbon, Anjou, während heftige Winde dem Darm ihrer Majestät
entwichen. … Der Sonnenkönig beugte sich ein wenig nach vorn,
während zwei Diener seinen Morgenrock lüpften. Der Duc d´Orleans
verneigte sich vor dem König, kniete nieder, ergriff den Nachttopf,
zog ihn unter dem ausgehöhlten Sitz hervor und erhob sich wieder.
Zwei Diener knieten hinter dem König und liessen sich von weiteren
Dienern in Essig getunkte Leinentücher reichen, mit dem sie das
Gesäss Ihrer Majestät reinigten und pflegten.  Der Duc d´Orleans
stand nun aufrecht nebendem König, den Nachttopf in der Hand. …“

(Claude Cueni: Das grosse Spiel, Heyne HC, 2006)

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